Als Nachbereitung der Veranstaltung gegen die Palästina-Solidaritätskonferenz in Stuttgart mit Gerhard Scheit stellen wir nun den Mitschnitt zur Verfügung:
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Als Nachbereitung der Veranstaltung gegen die Palästina-Solidaritätskonferenz in Stuttgart mit Gerhard Scheit stellen wir nun den Mitschnitt zur Verfügung:
Ausweitung der Kampfzone
Über die neuesten Angriffe auf die Souveränität des Staates Israel, die Rolle des Völkerrechts und die Sehnsucht nach national befreiten Zonen.
Phänomene, an denen sich der Wahn darstellt, den die bürgerliche Gesellschaft hervorbringt, finden sich in Stuttgart zuhauf. Dies gilt umso mehr in Zeiten, in denen das Krisenpotenzial des Kapitalverhältnisses in zugespitzter Form zum Ausdruck kommt. Denn Stuttgart gilt als Bastion des Bürgertums. Wer hier als Bürger firmiert, hat in der Regel noch was zu verlieren. Der Bürger will sein hart erarbeitetes Stück vom Wohlstand verteidigen, das ihm im Chaos der weltwirtschaftlichen Entwicklungen unterzugehen droht. Er findet die Symbole für den Erhalt dessen, was er nicht verlieren will. Und er sucht die Sinnbilder für das, was er als bedrohlich empfindet und seine liebgewordenen Gewohnheiten umzuwälzen scheint. Wenn der Bürger handelt, dann handelt er in Notwehr. Weil man ihn nicht in Ruhe lässt. Weil er sich betrogen fühlt. Er kritisiert nicht die Geschäftsgrundlage der Gesellschaft, denn Kritik interessiert ihn nicht. Stattdessen sucht er nach Schuldigen; nach den Verantwortlichen dafür, dass das Geschäft nicht störungsfrei funktioniert.
Als Nachbereitung des Negativen Nachmittags “Zur Metakritik von Religion und Religionskritik” mit Lars Quadfasel stellen wir nun den Mitschnitt der Veranstaltung zur Verfügung:
Download Vortrag (mp3 156MB)
Artikel von Lars Quadfasel zum Thema in der Bremer Zeitschrift “Extrablatt”:
Sonntag, 13. Juni 2010, 16:00, Stuttgart “Second Take” (Waggons, Nordbahnhofstr. 165, 70191 Stuttgart, Wegbeschreibung: http://secondtake.blogsport.de/wir).

Der Zustand, den die Religion in der westlichen Welt gegenwärtig bietet, ist ambivalent. Die christliche Religion scheint von der abendländischen Ordnungsmacht zu einer aufgeblasenen Institution für Caritas und Seelsorge heruntergekommen zu sein, die kaum noch den Sonntagsverkauf zu unterbinden vermag. Aktuell kratzen Missbrauchsskandale und Alkoholfahrten prominenter Oberhirten zusätzlich an der verbliebenen moralischen Autorität. Es läge nahe, jene Entwicklung mit Genugtuung als überfälligen Vollzug aufklärerischer Bemühungen zu wähnen.
Gegen eine solche Einschätzung spricht, dass die Religion, nunmehr bar jeder formalen gesellschaftlichen Autorität, sich nicht eben anschickt entsprechend gesellschaftlich irrelevant zu werden. So füllt ein tibetischer Geistlicher mit seinen Kalendersprüchen ganze Fussballstadien und Kreationismus bzw. “Intelligent Design” erheben selbstbewusst Anspruch auf Anerkennung in Schulbüchern.
Indes artikuliert sich ein “neuer Atheismus”, der seinen Ausdruck in den Büchern Richard Dawkins oder Bill Mahers Film “Religulous” findet. Dieser sucht wissenschaftlich die Ansprüche jenes Aberglaubens zurückzuweisen - und mutet dabei wie ein Selbstgespräch an. Notorisch insistiert er auf wissenschaftliche Erkenntnisse, ohne dabei auf die Tatsache zu reflektieren, dass Subjekte, die in vollem Ernst das Alter der Erde auf 5000 Jahre datieren, bereits eine gewisse Disposition zum Wissenschaftsbetrieb verinnerlicht haben müssen. Statt sich ideologiekritisch mit dem Bedürfnis zu solchem Wahn, der theologisch eher blasphemisch denn orthodox ist, zu befassen, widerlegt man diesen lediglich positivistisch und perpetuiert nur, was man kritisieren will, indem man es zur ernsthaft verhandelbaren Position adelt.
Dienstag 11.05.2010, 19:30 Uhr
Gewerkschaftshaus Stuttgart, Willi-Bleicher-Str. 20, Raum 245

Mit Besorgnis werden die Ergebnisse der wenige Tage zurückliegenden ungarischen Parlamentswahlen zur Kenntnis genommen: Die rechtspopulistisch-nationalkonservative Partei Fidesz wird ihre Oppositionsrolle verlassen und die Regierungsmehrheit stellen, die rechtsextremen Jobbik halten mit einem Stimmenanteil von 16,7 Prozent Einzug ins Parlament. Von einem »politischen Erdbeben« ist die Rede, von einem »Rechtsruck«, die politische Situation in Ungarn habe sich zu einem »Pulverfass mitten in Europa« entwickelt, die Stimmungslage der ungarischen Gesellschaft sei vergleichbar mit einem »Hassvulkan«.
In der Tat sind diese aktuellen parlamentarischen Verschiebungen nicht verharmlosend durch ein Protestwahlverhalten der von ihrer Regierung enttäuschten ungarischen Bevölkerung zu erklären – schon seit einiger Zeit machen Beobachter darauf aufmerksam, dass Rechtsextremismus in Ungarn kein Randgruppenphänomen ist, sondern durchaus Zuspruch aus breiten Teilen der ungarischen Gesellschaft erhält. Öffentlicher Widerstand ist kaum zu vernehmen, die jüngst per Gerichtsbeschluss verbotene Ungarische Garde – eine von Jobbik zum »Schutz« der Bevölkerung vor »Zigeunerkriminalität« gestellte paramilitärische Organisation – marschiert ungestört, das Fehlen eines konstruktiven gesellschaftlichen Gegendiskurses erlaubt es rechtsextremen Kräften, sich mittels Blut-und-Boden-Ideologien zu Widerstandskämpfern gegen die Gefährdungen eines Wirtschaftskapitalismus zu stilisieren. Der Schriftsteller und Historiker György Dalos bezeichnete diese Tendenzen jüngst als »Früchte nicht gestellter Fragen. Fragen wie: Was bedeutet Kapitalismus?«.
Lies weiter in ‘Karl Pfeifer: Die extreme Rechte in Ungarn nach den Parlamentswahlen’
Freitag 16. 4. bis Sonntag 18. 4. (Freitag, 19:30 Uhr: Institut für Philosophie Seidenstr.36 Raum 36.31; Samstag und Sonntag: Mädchengesundheitsladen e.V.)
Band II des “Kapital” von Karl Marx ist der am wenigsten diskutierte der drei Bände. Er ist dadurch kaum bekannt und vielleicht sogar verkannt — und wartet auf seine Entdeckung. Er behandelt die Zirkulations- und Reproduktionskreisläufe des Kapitals. Er baut dadurch einerseits auf Kapital Bd. I auf, der zunächst den Produktionsprozess des Kapitals entwickelt, und leitet andererseits zum Band III über, wo es dann um den Gesamtprozess des Kapitals geht. Wir werden uns an dem Wochenende mit ausgewählten Passagen des Band II beschäftigten und sowohl die Zirkulation des Kapitals in Abgrenzung zur so genannten “einfachen” Zirkulation aus dem Band I des “Kapital” als auch die erste Betrachtung der gesamtgesellschaftlichen Reproduktion unter Bedingungen des Kapitalverhältnisses diskutieren.
Was wird hier diskutiert? Die Möglichkeit oder gar Notwendigkeit der Krise? Oder der Beweis für das “Funktionieren” der Reproduktion? Dies sind nicht bloß spitzfindige ökonomietheoretische, sondern Fragen von hoher politischer Sprengkraft. Wir werden uns außerdem mit den verschiedenen Textfassungen dieses Bandes auseinandersetzen — dem Originalmanuskript von Marx und der Druckfassung von Engels.
Die Veranstaltung am Freitagabend ist offen; dagegen ist eine Anmeldung für den Workshop am Samstag und Sonntag erforderlich (die Teilnehmer_innenzahl ist auf 20 begrenzt) über marxseminar[at]gmx.net. Nach Anmeldung wird ein Texte-Reader zugesandt.
Lies weiter in ‘NN: Wochenendseminar zu Kapital Band II mit Nadja Rakowitz’
Die Betreiber_innen dieser Seite haben bis auf weiteres die Kommentarfunktion deaktiviert, um auf das die letzten Wochen stark ansteigende Aufkommen von Rumgetrolle und Unsinnposten zu reagieren. Das hat nichts mit Zensur zu tun, da wir die bisherigen Kommentare selbstverständlich stehen lassen werden. Nicht zuletzt, weil es den Betreiber_innen zu mühselig ist, bei all diesen Kommentaren zwischen “inhaltlich wertvoll” und “unsinniger Quatsch” zu entscheiden.
Nichtsdestotrotz sahen wir uns in den letzten Wochen immer wieder gezwungen alle Kommentare stets gegenzulesen, da immer wieder persönliche Details und berufliche Infos über bestimmte dem SZ zugeordnete Personen gepostet wurden. Falls wir uns dazu entscheiden sollten, in näherer Zukunft wieder die Kommentarfunktion zu aktivieren, seien die betreffenden Poster_innen in aller Form dazu angehalten dies auch in Zukunft zu unterlassen, hier wie auch anderswo, da wohl sie selbst über eine Zuordnung solcher Informationen zu ihrem politischen Wirken als letzte ein Interesse haben. Das soll keine Drohung sein, denn es ist nicht die Methode des SZ konkrete Personen für ihr politisches Wirken anzugreifen, sondern dieses Wirken selbst einer ideologiekritischen Prüfung - unabhängig von den dahinterstehenden Personen und ihrer angenommenen Persönlichkeitsstruktur - zu unterziehen.
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